Zurück zum Ex!?

Zurück zum Ex!?

Eigentlich waren wir doch so froh, dass diese Beziehung zu Ende war und nun denken wir doch total häufig daran zurück. Warum vermissen wir den Menschen, von dem wir wissen, dass er uns nicht gut getan hat? Auch wenn wir uns längst mit jemand Neuem treffen und unser Gehirn wahrnimmt, dass uns da ein großartiger Mensch gegenübersitzt, der zuverlässig, offen und vor allem ehrlich an uns interessiert ist, denken wir doch immer wieder an den oder die Ex zurück, der uns alles andere als gut getan hat. Und je mehr wir in diese neue Geschichte involviert werden, desto mehr stellen wir fest, dass wir nicht auftauen und stattdessen nur wieder und wieder in die Vergangenheit eintauchen.

Doch warum zum Teufel ist das so?

Dieser Mensch, der uns an den Rand des Wahnsinns getrieben und aus uns ein wahres Nervenbündel gemacht hat, lässt uns einfach nicht los. Nicht mal wir selbst verstehen, warum wir immer noch an diesem Menschen hängen, der uns doch so sehr verletzt und unglaublich enttäuscht hat. Wie sollen unsere Freunde es dann verstehen? Also frisst man das Nicht-vergessen-können in sich hinein und versucht es vor den anderen zu verbergen, weil es dann hoffentlich schneller vorbeigeht.

Aus den Augen, aus den Sinnen - oder?

Obwohl wir schon beim Kennenlernen wahrnehmen, dass da ein kleiner, nagender Zweifel war, der in Frage gestellt hat, ob das wirklich gut gehen kann, haben wir uns blindlings in das Abenteuer geworfen und alle Warnsignale ignoriert. Und unser Umfeld schaut uns dabei zu, wie wir lachend in unser Verderben laufen. Doch wir waren taub für ihre Warnungen, denn wir wussten es ja besser. Denn jedes Mal, wenn eine eigentlich unpraktikable Beziehung entsteht, sieht das Umfeld noch vor den „Betroffenen“ wie das Ganze ausgehen wird. Manchmal jedoch auch nicht, denn Menschen können sich ändern. In den meisten Fällen tun sie es aber nicht.

Warum können wir nicht einfach loslassen und weiterziehen?

Meistens, weil dieser Mensch etwas in uns angerührt hat, von dem wir oftmals nicht mal klar sagen können, was es war. In vielen Fällen ist es einfach ein besonderes Gefühl von Sicherheit, ein Versprechen, das zwar im Endeffekt gebrochen wurde, aber dennoch unser Denken und unsere Gefühle für diese Person geöffnet hat. Und die Hoffnung, dass es das Richtige sein könnte und „für immer“. Der oder die Ex erschien uns als der Mensch, der uns das geben wird, wonach wir uns schon immer gesehnt haben. Demnach haben wir all unsere Gefühle, Hoffnungen und Erwartungen auf ihn projiziert. Und nun erliegen wir dem Trugschluss, dass es tatsächlich etwas so Besonderes war, wie wir uns erhofft haben. Am Ende sehnen wir uns alle nach Sicherheit und bedingungsloser Liebe. Die, die sich am meisten danach verzehren, sind meist die, die bereits enttäuscht wurden, denen die Liebe und die Hoffnung bereits die rosarote Brille vom Gesicht gerissen und den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Und trotzdem taumeln genau diese Menschen dann wieder liebestrunken und blind am Abgrund entlang, weil die Hoffnung eben zuletzt stirbt.

Warum also das Risiko noch einmal eingehen?

"Für die Liebe", schreit das Herz. Das Hirn verdreht die Augen. Wie aber kommt man von der Erinnerung los und kann endlich abschließen? Man muss die eigenen Verhaltensmuster aufbrechen. Wenn wir uns nicht von jemandem lösen können, mit dem wir offenkundig nicht glücklich waren und uns im Nachhinein dennoch in diese Zeit zurückwünschen, liegt meist ein anderes Problem zu Grunde. Wenn man sich also mit der Wurzel des Problems auseinandersetzen will, muss man sich meist in die Zeit vor der Beziehung zurückbegeben. Vielleicht sucht man sich aus gewohnten Verhaltensmustern heraus einen Partner, der sehr dominant ist, weil man in der Vergangenheit aus der familiären Struktur gelernt hat, dass man Unterstützung und Liebe erfährt, wenn man das schwächste Glied in der Kette ist. Sobald man sich aus diesen Strukturen gelöst hatte, musste man hingegen auf eigenen Beinen stehen, war auf sich allein gestellt und ist gescheitert. Demnach findet also möglicherweise ein Beziehungsverhalten basierend auf alten Mustern statt, getreu dem Motto „Wenn ich mich kleinmache und unterordne, erfahre ich Zuneigung und Unterstützung“.

Wie befreie ich mich von alten Gewohnheiten?

Zunächst muss man das eigene Muster natürlich erkennen, um das Problem an der Wurzel packen zu können. Gespräche mit Wegbegleitern, langjährigen Freunden und Familienmitgliedern, aber auch Menschen, die einen noch nicht so lange kennen, können dabei helfen, wenn sie ehrliche Antworten und Einschätzungen abgeben. Die Wahrheit liegt meist irgendwo in der Mitte und man erkennt sie, weil sie einem nicht gefällt. Findet man sie nicht alleine, kann ein Psychologe helfen. Als nächstes muss man dann den Ursprung des Problems isoliert und von der Beziehung mit dem Ex-Partner losgelöst betrachten. Und dann begreifen, dass dieser Mensch, der mich so lieblos behandelt hat, nicht mein Seelenverwandter gewesen ist, sondern lediglich die Person, auf die ich meine eigenen Probleme projizieren konnte und die demnach nur scheinbar die Lösung derselben war.

Wiederholungstäter werden bestraft.

Ein weiteres, häufig auftretendes Muster ist das Folgende: man will den oder die Ex zurück, obwohl das Leben mit ihm/ihr die Hölle war. Dieser Mensch bedient unsere dunkle Seite, ist aufregend anders und wir verändern uns durch ihn, entwickeln uns weiter, wie wir zunächst denken, obwohl wir eigentlich einen Rückschritt machen und uns in eine bewundernde Abhängigkeit zu jemandem begeben, der nicht zu uns passt. Zu niemandem passt, um genau zu sein. Denn diese Menschen interessieren sich nur für sich selbst. Anfangs ist es scheinbar noch eine Symbiose, in der beide nehmen und geben. Dann wird es jedoch zu dem, was es eigentlich ist – eine extrem einseitige Beziehung, in der einer gibt und einer nimmt. Bis einer sich aufgibt und dem anderen nicht mehr gefällt. Dann bleibt man zutiefst verletzt zurück, fühlt sich innerlich leer und hat alles verloren. Vor allem sich selbst. Und das ist das Schlimmste. Denn das Bewusstsein, einmal in diese verführerische Falle getappt zu sein, ohne es gemerkt zu haben, macht uns misstrauisch. Uns selbst gegenüber, da wir lachend in die Kreissäge gelaufen sind. Anderen gegenüber, weil wir gelernt haben, dass man anderen Menschen ja doch immer nur vor den Kopf gucken kann und niemals wissen wird, ob sie wirklich unser Bestes im Sinn haben, nur weil sie dies vorgeben.

Die Zeichen waren da.

Doch wir waren blind und im Rausch. Obwohl das Fremdflirten des Partners schon nach kurzer Zeit begann, die Abhängigkeit von Freunden thematisiert und das Ungleichgewicht bereits spürbar wurde, haben wir alles ausgeblendet und weitergemacht. Das würde sich mit der Zeit schon geben und einspielen. Von wegen. Es wurde schlimmer. Schlafentzug, einsame Nächte und Ungewissheit folgten, das eigene Leben geriet aus den Fugen.

Oft lassen wir uns durch eine spannende Zeit, tollen Sex und das Neue, Unbekannte in den Bann ziehen und erkennen nicht, wann es kippt und in einer hoffnungslosen Fahrt durch eine emotionale Einbahnstraße endet. Bis es dann vorbei ist und man allein, verletzt und unendlich gedemütigt zurückbleibt. Und doch bleibt das Verlangen nach einem Wiedersehen und dem Wiedererleben der knisternden Erotik. An diesem Punkt muss man sich selbst schützen und einen klaren Schlussstrich ziehen. Und ein Zurück gibt es in solchen Fällen ohnehin nicht, denn es würde wieder gleich verlaufen und gleich enden. Besonders mit dem Wissen um die Abhängigkeit und der damit einhergehenden Angst vor einem erneuten Ende und dem tiefen Misstrauen, das wir (zurecht) entwickelt haben. Wenn es stattdessen gelingt, die guten Dinge und einiges an Selbsterkenntnis mitzunehmen, dann kann man den alten Ballast abwerfen. Das Bewusstsein, dass man stark genug ist, alleine weiterzumachen und zu neuen Ufern aufzubrechen, kommt dann von ganz allein. Denn entscheidend ist nicht, dass man tief gefallen ist, sondern was man dabei gelernt hat. Und es gibt so viele tolle Menschen, die wirklich nur eines im Sinn haben: den Partner fürs Leben zu finden und einfach glücklich zu werden.

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