Wenn aus Liebe Hass wird

Wenn aus Liebe Hass wird

Jeder, der einmal richtig verliebt war, kennt dieses Gefühl: plötzlich ist da ein Mensch in unserem Leben, mit dem alles ein wenig heller, schöner und besser erscheint. Sein Lachen steckt uns an, seine Anwesenheit beflügelt uns und Schlafen und Essen werden nebensächlich – Hauptsache er oder sie ist da. Doch auch die schönste Verliebtheit kann kippen und wir sehen plötzlich wirklich den Menschen, der da eigentlich vor uns steht. Wir konnten wir diesen ungepflegten Schmierlappen nur so anziehend finden oder die abwertenden, sexistischen Kommentare überhören. Als hätte jemand den rosaroten Vorhang hinfort gerissen, sehen wir plötzlich die nackte Wahrheit. Und die ist gar nicht mehr so, wie wir sie uns vorgestellt hatten…

Doch wie kommt es dazu, dass wir jemanden so plötzlich mit ganz anderen Augen sehen?

Das liegt an der Enttäuschung, die uns widerfährt. Das Bild, das wir von jemandem hatten ist ein ganz anderes, wir fragen uns, wie wir uns so in jemandem täuschen konnten. Und genau das ist der Kern: die Täuschung weicht der Enttäuschung. Nun sehen wir den Menschen so, wie er wirklich ist, mit all seinen Fehlern und Macken. Und der ist dann meistens nicht mehr so wie der Mensch, den wir gerne sehen wollten, auf den wir all unsere Hoffnungen und Erwartungen projiziert haben. Es ist überhaupt nicht naiv, jemanden so zu idealisieren – im Gegenteil ist es sogar ganz normal. Denn, wenn wir uns verlieben, sind wir erst einmal unempfänglich für die Dinge, wie andere sie sehen. Bis zu einem gewissen Punkt bleibt dieses idealisierte Bild auch in einer Partnerschaft bestehen, sodass wir an jemandem festhalten, von dem andere nicht sehen können, was wir an ihm oder ihr finden.

Die Enttäuschung verändert alles

Egal, ob wir nun belogen, versetzt oder auf andere Weise von unserem Idealbild abgebracht wurden, die erlebte Enttäuschung macht uns misstrauisch und wir trauen weder unserem Urteilsvermögen, noch den Handlungen oder Aussagen der anderen Person. Diese enttäuschten Hoffnungen und Gefühle lösen oft einen Groll in uns aus, der im schlimmsten Fall und bei anhaltenden Konflikten in Hass umschlagen kann. Ist es dann die andere Person, die wir hassen? Ist es nicht vielmehr die Wut über die eigene Unzurechnungsfähigkeit, den Kontrollverlust? Der schmerz, den wir fühlen, nachdem uns etwas derartiges widerfahren ist, kann definitiv viel Platz einnehmen.

Paar liegt voneinander abgewandt im Bett.

Wie kann man über diese Erfahrung hinwegkommen?

Am besten, indem man sich selbst und dem anderen verzeiht. Denn man wollte sich selbst niemals wissentlich in diese Situation bringen, ebenso wie der andere diese Absicht nicht hatte. Die Enttäuschung über das Versagen der eigenen Einschätzung, oft noch befeuert durch die negativen Kommentare von Freunden, die uns nur noch fester an unserer Ansicht haben festhalten lassen, fühlt sich an wie eine persönliche Niederlage. Dem Gegenüber sollten wir verzeihen, dass er unsere zu hohen Erwartungen und Projektionen nicht erfüllen und dem Bild, das wir von ihm hatten, nicht gerecht werden konnte. Oft bemüht sich jemand sogar noch unseren Erwartungen gerecht zu werden, auch wenn er eigentlich so angenommen werden sollte, wie er tatsächlich ist. Mit all seinen Fehlern und Macken.

Die Perspektive ändern

Niemand ist perfekt und es ist nirgends schwieriger das zu begreifen als in der Liebe. Doch durch Enttäuschungen dieser Art können wir lernen und beim nächsten Mal vielleicht einen etwas realistischeren Blick auf jemanden wahren. Auch dem anderen wird es mit der Situation nicht gut gehen. Und auch wenn es den erlebten Schmerz nicht wieder wettmachen kann, so hat man sich doch eine Enttäuschung zu einem späteren Zeitpunkt erspart, denn eine Beziehung mit einer Person, die nicht zu uns passt, wäre viel schlimmer gewesen.

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