Kommunikation zwischen Mann und Frau – Männer wollen Lösungen, Frauen wollen reden

Kommunikation zwischen Mann und Frau – Männer wollen Lösungen, Frauen wollen reden

"Wieso versteht sie mich immer falsch? oder “Merkt er nicht, was ich meine? Jeder kennt die Situation, bei einem Gespräch mit dem Partner komplett aneinander vorbeizureden. Am Ende sind beide verärgert und haben das Gefühl, dass der andere überhaupt nicht verstanden hat, was man eigentlich sagen wollte. Durch Probleme beim Kommunizieren kann es zu folgenschweren Problemen und Missverständnissen in der Beziehung kommen. Reden ist wichtig, um einander zu verstehen.

Warum haben Frauen und Männer solche Schwierigkeiten, einander zu verstehen?

Die Kommunikation der Geschlechter funktioniert von Grund auf verschieden. Während Männer eher sach- und aufgabenbezogene Gespräche führen, drücken Frauen sich eher auf der persönlichen Ebene aus. Einige Sprachforscher sprechen sogar von einer interkulturellen Kommunikation. Du musst dir das so vorstellen, als würden zwei Menschen mit einem grundverschiedenen kulturellen Hintergrund miteinander reden. Wenn Männer und Frauen erfolgreich miteinander kommunizieren wollen, müssen sie zunächst die Sprache des jeweils anderen lernen.

Dazu müssen wir erst einmal verstehen, warum wir so verschieden sind. Zum einen findet sich die Ursache tatsächlich in den Genen. Männer waren als Jäger eher an präzisen, möglichst knapp gehaltenen Informationen interessiert. „Wo sind die Wildschweine?“- „Unten am Fluss“ - „Wie viele?“ - „Zwei“ (Ende der Konversation).

Frauen dagegen sind seit Urzeiten für die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen zuständig und darum an dem Austausch von Gefühlen stark interessiert. Um die Gemeinschaft zusammenzuhalten, war es für sie wichtig, Konflikte rechtzeitig zu erkennen, Streit zu schlichten und auch zwischen den Zeilen zu lesen. Dazu war eine umfangreichere und subtilere Kommunikation nötig.

Doch nicht allein die Gene sind schuld. Auch die Prägung und die Erziehung spielen eine bedeutende Rolle. Männer und Frauen werden auch heutzutage, in unserer modernen Gesellschaft, unterschiedlich erzogen und geprägt. Sehr klischeehaft beschrieben sieht das ungefähr so aus:

Die Welt der Männer

Von klein auf geht es in der Welt der Jungen viel um Hierarchie und Macht. Fast alle Jungenspiele drehen sich ums Gewinnen. Spiele bei denen man nicht gewinnen kann, finden viele Jungen schnell langweilig. Daraus folgt, dass Jungen und Männer vermeiden wollen, zu verlieren oder Schwäche zu zeigen.

Was bedeutet das für die männliche Kommunikation?

  • Viele Männer verspüren stets das Gefühl, sich beweisen zu müssen. Für sie ist wichtig, dass sie Einfluss haben und dass sie mitbestimmen können.
  • Männer versuchen deshalb öfter, sich in Gesprächen zu profilieren und ihre Machtposition zu festigen oder auszubauen.
  • Männer sprechen eher sach- und aufgabenbezogen. In ihren Gesprächen geht es in erster Linie um Informationen.
  • Männer sprechen ungern über Gefühle, aus Angst Schwäche zu zeigen und weil Emotionen für sie nicht in erster Linie relevante Informationen sind.

Die Welt der Frauen

Bei den kleinen Mädchen dreht sich dagegen viel darum, dazuzugehören und nicht ausgeschlossen zu sein. Sie spielen eher Spiele bei denen das Dabeisein und Mitmachen wichtiger ist als zu gewinnen.

Was bedeutet das für die weibliche Kommunikation?

  • Frauen drücken sich eher auf einer persönlichen Ebene aus. Um Nähe herzustellen lassen sie im Verlauf von Gesprächen oft eigene Erlebnisse und Erfahrungen einfließen.
  • Frauen fühlen sich wohl, wenn die Beziehung stimmt. Sie sind mehr an indirekten Botschaften interessiert, weil die indirekten Botschaften etwas über die Beziehung zwischen „Sender“ und „Empfänger“ aussagen.
  • Um die Harmonie zu erhalten, umgehen Frauen gern Konflikte. Ein "Nein" fällt ihnen schwer.
  • Viele Frauen neigen zu einer Gesprächsführungstechnik, bei der die Gleichheit bewahrt wird. Die Sprecherin möchte ihr Ziel erreichen, ohne ihre Macht zu demonstrieren.

Mit diesen Informationen, verstehst du sicherlich schon viel besser, warum es so oft zu Missverständnissen kommt, wenn Männer und Frauen aufeinander treffen. Das Problem besteht darin, dass der eigene Gesprächsstil dem einzelnen nicht bewusst ist. Er bemerkt und ärgert sich dann nur darüber, dass der andere nicht nach den gleichen unsichtbaren Regeln verfährt. Das größte Problem zwischen den Geschlechtern ist jedoch die unterschiedliche Meinung darüber, was die indirekten Botschaften betrifft. Gerade Frauen neigen dazu, nach diesen indirekten Botschaften zu suchen, die der (männliche) Absender jedoch gar nicht beabsichtigt hatte.

Ein klassischer Konflikt:

Er: „Wir haben keine Milch mehr.“

Sie: „Ich kann nicht an alles denken.“

Er: „Ich hab ja auch nur gesagt, dass die Milch alle ist.“

Sie: „Dann geh doch das nächste Mal selbst einkaufen!“

(Beide sind beleidigt)

Der Herr möchte in diesem Falle vermutlich tatsächlich einfach nur die Information teilen, dass keine Milch mehr da ist. Die Dame sucht jedoch instinktiv nach der indirekten Botschaft. Soll das eine Aufforderung sein, einkaufen zu gehen? Könnte es ein indirekter Auftakt zu dem Vorschlag sein, einen Kaffee trinken zu gehen? Oder handelt es sich gar um eine Anschuldigung nach dem Motto „Du hast wieder nicht eingekauft“ oder „Du hast die Milch vergessen“?

So kann selbst eine solche schlichte Aussage zu einem Streit führen, wenn sich nämlich die Empfängerin kritisiert fühlt.

Noch schwieriger wird die Angelegenheit, wenn sich die Gespräche um Emotionen drehen. Viele Männer fürchten immer noch, dass das Reden über Gefühle als Schwäche ausgelegt werden könnte. Männer haben oft gar nicht gelernt, über Gefühle zu reden. In ihrer Welt galt es von Kindheit an als Schwäche, Gefühle zu zeigen. Zudem wollen sie nicht mit ihren Ängsten konfrontiert werden. Frauen dagegen lieben es, ihre Probleme mit Freunden oder Verwandten zu besprechen. Für sie ist das Ausdrücken von Gefühlen wichtig, um in einer Beziehung Nähe zu spüren. Sie verstehen nicht, warum es ihrem Partner so schwer fällt, über Gefühle zu reden. So fühlen sie sich ausgegrenzt und unverstanden, wenn dieser emotionale Gesprächsthemen ablehnt. Die Männer dagegen fühlen sich unter Druck gesetzt und in die Enge getrieben, wenn sie dazu gedrängt werden, über Themen zu sprechen, bei denen sie „den Kürzeren ziehen“ könnten. Das starke Geschlecht spricht sogar oft nicht mal mit seinem besten Kumpel über seine Sorgen und Probleme. Männer treffen sich nicht, um zu quatschen, sondern um Fakten auszutauschen oder zum Fachsimpeln. Die Folge davon ist, dass Männer ihre Probleme eher verdrängen, als sie zu lösen.

Was kannst du tun, um deine Kommunikation mit dem anderen Geschlecht zu verbessern?

Folgend einige nützliche Kommunikationshinweise:

  • Sei aufmerksam und mache dir bewusst, mit wem du redest und was er/sie für Lern- und Lebenserfahrung hat. Halte die oben genannten Informationen bezüglich der unterschiedlichen Geschlechtersprache im Hinterkopf. Mit feinen Ohren kannst du viele Missverständnisse von vornherein vermeiden.
  • Versuche dich mit dem oben gelernten, in die Situation des anderen hineinzuversetzen.
  • Eine neue Fremdsprache lernen: Sprich mit andersgeschlechtlichen Freunden oder dem/der eigenen Partner/in über das Sprechen. So kannst du viel über die „Sprache“ des anderen lernen und Strategien für eine bessere Verständigung entwickeln.

Kommunikationshinweise speziell für Frauen:

  • Formuliere deine Anliegen und Wünsche klar und deutlich. Hoffe nicht darauf, dass dein männliches Gegenüber deine subtilen Botschaften versteht bzw. errät.
  • Verzichte darauf, zwangsläufig zwischen den Zeilen lesen zu wollen. Wenn du eine indirekte Botschaft vermutest, frage freundlich nach, wie er das gemeint haben könnte: „Möchtest du mir damit sagen, dass ich einkaufen gehen soll?“ Wenn er das dann abstreitet, ist es das Beste, ihm das einfach zu glauben.
  • Als Gesprächseinstieg bei redemüden Herren hat sich bewährt, zunächst mit einem Thema zu beginnen, das ihn stark interessiert. Zum Beispiel ein Fußballspiel oder ähnliches. Ist er dann erst einmal in Fahrt, kannst du mit ihm viel leichter Themen besprechen, die er sonst eher meidet.

Kommunikationshinweise speziell für Männer:

  • Formuliere deine Vorschläge als Vorschläge – und nicht als Anweisungen.
  • Frauen brauchen manchmal mehr als nur einen Satz. Wenn du das Gefühl hast, dein weibliches Gegenüber glaubt dir nicht oder hakt nach, mache ihr deutlich, dass du es wirklich so meinst, wie du es gesagt hast.
  • Du brauchst nicht für jedes Problem, was sie dir mitteilt, einen Lösungsvorschlag zu bringen. Oft reichen ihr Anteilnahme und aufmerksames Zuhören.

Wir hoffen, dir mit diesen Infos ein wenig weiterhelfen zu können. Natürlich kann keiner seinen Gesprächsstil komplett ändern, aber das Verstehen der unterschiedlichen Kommunikationsformen kann die Qualität deiner zukünftigen Gespräche mit dem anderen Geschlecht entscheidend verbessern.

Bildquelle: © iStock / thinkstockphotos.de

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