Mingle: Die unverbindliche Art von Liebe

Mingle: Die unverbindliche Art von Liebe

Nele und Torben kennen sich schon seit dem Studium und haben sich von Beginn an super verstanden. Auch nach dem Abschluss ist der Kontakt zwischen den beiden nicht abgerissen – ganz im Gegenteil! Die gemeinsamen Unternehmungen werden immer häufiger und zudem intimer, so dass es inzwischen fast schon zur Gewohnheit geworden ist, dass die zwei nach stundenlangen Gesprächen über Gott und die Welt auch die Nächte gemeinsam verbringen. Wenn Nele dann am nächsten Morgen aufwacht, hat Torben bereits ihr Schokomüsli zubereitet – ganz so wie Nele es am liebsten isst. Für Nele ist das nicht nur die perfekte Beziehung, Torben ist auch der perfekte Mann für sie. Nur leider sieht Torben das ein wenig anders. Von Partnerschaft kann bei ihm nicht die Rede sein. Seiner Meinung nach sollte die „Freundschaft“ der beiden so bleiben wie sie ist, denn: „Es ist doch alles super so!“

Mit seiner Aussage hegt Torben nicht nur ganz bewusst den Wunsch nach Unverbindlichkeit, er verkörpert damit auch eine neue und weltweit zunehmend beliebtere Lebenseinstellung, für die es bisher allerdings noch keine Definition gab. Erst seit Anfang des Jahres 2014 sorgt sie unter der Bezeichnung „Mingle“ für Furore. Du hast diesen Ausdruck noch nie gehört? Dann jetzt gut aufgepasst!

Der Mix macht`s – die neue Beziehungsform ist geboren

Was ist ein Mingle? Laut dem Hamburger Trendforscher Peter Wippermann handelt es sich bei einem Mingle um eine Person, die sich in einer Art „Halb-Beziehung“ befindet. Die Bezeichnung „Mingle“ setzt sich dabei aus den Wörten „mixed“ und „Single“ zusammen. Das heißt, Mingles verkörpern somit eine Mischung aus Single und Beziehung. In Abgrenzung zu dem schon etwas geläufigeren Begriff „Friends with Benefits“, bei welchem die Beziehung lediglich darin besteht, dass zwei Menschen miteinander schlafen, führen Mingles in ihrem Privatleben meist den Alltag eines Paares, treten in der Öffentlichkeit aber weiterhin als Single auf. Das „sich-nicht-festlegen-wollen“, die damit einhergehende Unverbindlichkeit und die problemlose Akzeptanz durch beide Partner (zumindest in der Theorie) symbolisieren das Leben als „Mingle“.

Wir sind ein Paar, oder?

Ganz so unproblematisch sind Mingle-Beziehungen dann allerdings doch nicht. Denn das verquere am Mingle-Dasein ist, dass die betroffenen Menschen oftmals selber gar nicht wissen, dass sie ein Mingle sind. So kommt es immer häufiger vor, dass vor allem Frauen davon ausgehen, eine Beziehung zu führen, während Männer die Unverbindlichkeit der Beziehung und den Spaß als Mingle in vollen Zügen genießen und sich – getreu dem Motto: „Es geht noch besser“ – gar nicht erst fest an eine Frau binden wollen. Das heißt, es wird also nicht nur kompliziert, es bedeutet meist für einen der Partner Gefühlschaos pur. Dabei ist zum einen die „Lückenbüßerpostion“ nicht wirklich das gelbe vom Ei, wenn man einen Menschen aus tiefsten Herzen liebt, zum anderen ist aber genau diese Rolle immer noch besser, als dem Partner gar nicht mehr nah sein zu können und somit gar keine Rolle mehr in seinem Leben zu spielen.

Mit Bindungsangst und Co. zum Mingle-Dasein

Was aber ist der Grund für den Trend „Unverbindlichkeit“? Bei der Frage nach dem warum, spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Als ein wichtiger Punkt ist Angst zu nennen – genauer gesagt Bindungsangst. So bekommen immer mehr Frauen und Männer Beklemmungen, wenn es darum geht, eine feste Partnerschaft einzugehen. Führt man hingegen eine Mingle-Beziehung, kann diese Angst ganz unbegründet sein, denn man befindet sich ja schließlich permanent auf der Suche nach dem Traumpartner und hält sich gleichzeitig von jeglicher Verantwortung fern. Ein anderer Aspekt, der zudem als Grund für ein Leben als Mingle aufgeführt werden kann, ist die zunehmende Befristung in unserem heutigen Zeitalter. So geht die Befristung des Jobs einher mit dem befristeten Wohnen in einer Stadt usw. Warum dann also noch entfristete Beziehungen führen, wenn das Mingle-Dasein alles doch so viel einfacher macht? Hinzukommt ein weiterer Grund. Wer sich mit dem Leben „Mingle“ beschäftigt, der weiß, dass Mingles Menschen sind, die vor allem um ihr eigenes Wohl bedacht sind. Ihre Selbstverwirklichung und der Spaß am Leben stehen für sie im Vordergrund. Eine klassische Beziehung zu führen, würde jedoch bedeuten, Verantwortung und Rücksicht für/auf den Partner (über)nehmen zu müssen und das ist nun wirklich das Letzte, was eine Mingle möchte …

Der Single.de-Tipp

Damit du die neue Beziehungsform allerdings auch wirklich genießen kannst, solltest du zu Beginn deines Mingle-Daseins für Klarheit sorgen! Denn nur wenn beide Menschen wissen und beide Partner damit einverstanden sind, dass sie eine Mingle-Beziehung führen, könnst du die erwähnten Unklarheiten und Enttäuschungen in deiner Partnerschaft vermeiden. Also kläre am besten direkt zu Beginn deiner Beziehungen offene Fragen, antworte ehrlich und du bist auf der sicheren Seite!

Bildquelle: © Henry Schmitt / fotolia.com

Textquelle: © Welt.de (Hier geht`s zum Artikel.)

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