Wenn genervt sein das Leben bestimmt

Wenn genervt sein das Leben bestimmt

Jeder kennt bestimmt eine Person in seinem Bekanntenkreis, die häufig einfach schlecht gelaunt und genervt ist. Ob das die Frau des Kumpels ist, die ständig ihre Kinder anschnauzt und mit einfach immer ein angestrengtes Gesicht macht oder der Schwiegervater, der einfach nicht aufhören will, mit heruntergezogenen Mundwinkeln an allem herumzumäkeln. Dass diese Menschen nicht zufrieden sein können, liegt auf der Hand. Warum sie jedoch nichts dagegen tun und in diesem Zustand verharren, der auch für alle anderen Menschen eine Belastung ist, ist eine ganz andere Frage. Wie kann dieser Zustand also überhaupt dauerhaft werden, und was kann man dagegen tun, wenn man selbst oder andere betroffen sind?

Genervtsein wirkt sich auch auf das Umfeld aus

Zuerst ist es viel einfacher genervt zu sein als gutgelaunt. Und wer einmal damit begonnen hat, das Leben schwarz zu malen, wird dies nicht so leicht wieder ablegen können. Hinzu kommt, dass unsere Launen erhebliche Auswirkungen auf unser direktes Umfeld haben. Nicht selten haben Freunde sich zurückgezogen, weil jemand ständig genervt ist und Gift versprüht, sodass man selbst schlechte Laune bekommt. Der Partner und die Familie können sich da nicht so leicht zurückziehen. Hört man da Worte wie „Sei doch nicht immer so genervt!“, hilft das leider nicht wirklich weiter, weil einen auch das noch nervt.

Nachsicht und Gelassenheit können helfen

Mit der Zeit verliert man das Gefühl für diese Form der Negativität und sieht einfach alles nur noch durch diese Hass-Brille. Das Leben scheint einfach an jeder Ecke etwas Nerviges bereitzuhalten. Im Supermarkt braucht die blöde Mutter mit dem Kleinkind einfach viel zu lange, um ihr nervtötendes Blag zu beruhigen (kann man nicht ohne sein Kind einkaufen gehen?), die Kassiererin hat auch schon mal schnellere Zeiten erlebt und auf dem Parkplatz hat der Penner einem grade auch noch die Vorfahrt genommen. Stattdessen hätte man auch nachsichtig mit der Mutter sein können und ihr den Tag und die offenbar nicht einfache Situation erleichtern können, indem man ihr nett zuzwinkert, die Kassiererin einfach mal machen lässt und ihr die zwei Minuten mehr gönnt und dem Blödmann auf dem Parkplatz einfach seine Unnachsichtigkeit nachlässt – vielleicht war er so genervt, dass er es nicht mal gemerkt hat… In den allermeisten Fällen helfen ein wenig Nachsicht und Gelassenheit, dann hätte die Welt auch eine Chance sich zu revanchieren.

Genervte Frau schreit in ihr Handy.

Freundlichkeit ist ein Bumerang

Der Druck, der sich im Inneren eines Menschen aufbaut und sich dann in Form negativer Energie nach außen entlädt, benötigt ein Ventil. Dazu braucht man die Möglichkeit in sich selbst hineinzuhorchen, seine Probleme an die Oberfläche zu holen und sie mit jemandem zu besprechen, dem man vertraut. Ansonsten ist man in einem Teufelskreis der Negativität gefangen und vermiest sich selbst das Leben – am Ende auch, weil niemand einen mehr in seiner Nähe haben möchte. Der Betroffene versteht allerdings oft gar nicht warum. Denn er selbst bemerkt sein Verhalten in den allerseltensten Fällen. Manchmal schwappt es vielleicht kurz ins Bewusstsein, man spiegelt sich, doch dann kommt schon die nächste Mecker- und Beschwerdewelle angerollt, die die eigene Unzufriedenheit lindern soll.

Oft sind die Genervten einfach überfordert

Wenn die ganze Welt einfach nicht das tut, was sie soll, alle um einen herum zu dumm zu sein scheinen, ist man vielleicht einfach mit sich selbst unzufrieden und kolossal überfordert. Dann kann die Überforderung mit allem, was einem begegnet, klarzukommen. An diesem Punkt kann es einem ohnehin keiner mehr Recht machen. Inzwischen kommt die unterdrückte Wut heute auch auf den sozialen Netzwerken raus, wo in den sich aufschaukelnden Kommentaren etwas von dem Druck abgelassen wird, der im Alltag einfach kein Ventil findet.

Wie also kann man herauskommen aus dem Strudel, der einen immer weiter herunterzieht?

Manchmal hilft, so rudimentär es klingen mag, einfach mal durchzuatmen. Einen Moment der Ruhe und Stille zu schaffen und die Welt mal nicht so ernst zu nehmen. Anderen und sich selbst Fehler zuzugestehen und damit etwas von dem Druck zu lindern. Die Fixierung auf die eigenen Probleme verschwindet oft auch im Gespräch mit anderen, wenn man sich derer Probleme bewusst wird. Schwächen machen uns stark und nachsichtiger gegenüber anderen – und uns selbst.

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